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Fossilien: Libellen von Solnhofen und Eichstätt waren Flugkünstler
(openPR) - Unter den in der Gegend von Solnhofen und Eichstätt in Bayern
entdeckten Fossilien aus der späten Jurazeit vor etwa 150 Millionen Jahren sind
Insekten mit mehr als 150 Arten vertreten. Damit rangieren sie – was die
Artenzahl betrifft – noch vor den Fischen. Gemessen an ihrer Stückzahl werden
Libellen allerdings merklich weniger gefunden als Fische und Krebse.
Das Fundgut im aus Meeresablagerungen entstandenen Solnhofener Plattenkalk
beweist, dass alle bedeutenden Ordnungen der gegenwärtig lebenden Insekten
bereits in der späten Jurazeit existierten: Schmetterlinge, Käfer, Wespen,
Fliegen, Florfliegen, Wasserläufer, Heuschrecken, Schaben und Libellen.
In der Jurazeit gab es bei den Libellen bereits sämtliche gegenwärtig
vorkommenden Unterordnungen, die nach der Größe und Lage der Augen sowie nach
der unterschiedlichen Form der Flügel unterschieden werden. Die Großlibellen (Anisoptera)
und die Kleinlibellen (Zygoptera) tragen einen irreführenden deutschen Namen,
weil es auch unter den Kleinlibellen große Arten gibt. Eine dritte Unterordnung
sind die Anisozygoptera.
Die Zygoptera besitzen Vorder- und Hinterflügel von fast gleicher Form und Größe
– daher nennt man sie auch Gleichflügler, In Ruhelage sind die Flügel nach
hinten oben zusammengeklappt. Die Anisoptera haben Flügelpaare von ungleicher
Form. Ihr wissenschaftlicher Name bedeutet Ungleichflügler. Bei ihnen sind die
Flügel in Ruhestellung waagrecht ausgebreitet. Die Anisozygoptera ähneln den
Anisoptera sehr, aber teilweise auch den Zygoptera. Heute sind die
Anisozygoptera nur noch durch die beiden Arten Epiophlebia superstes in Japan
und Epiophlebia laidlawi im Himalaja vertreten.
Bei den im Solnhofener Plattenkalk überlieferten Libellen ist das Geäder ihrer
Flügel in allen Einzelheiten sichtbar. Bräunliche eisenhaltige oder schwärzliche
manganhaltige Lösungen, die in die Hohlräume des Geäders eingesickert sind.
haben dessen Verlauf farbig nachgezeichnet.
Einige fossile Libellenarten aus der Gegend von Solnhofen und Eichstätt
übertrafen mit ihrer imposanten Flügelspannweite sogar die stattlichsten
exotischen Formen aus tropischen Gebieten der heutigen Zeit. So erreichte die
Libelle Aeschnogomphus intermedius, die schon 1848 wissenschaftlich beschrieben
wurde, eine Flügelspannweite bis zu 21 Zentimeter und eine Körperlänge von 14
Zentimeter. Die größten jetzigen Libellen haben eine Flügelspannweite von 14
Zentimeter.
Die Libellen aus der späten Jurazeit vor etwa 150 Millionen Jahren waren
Zeitgenossen von Urvögeln (Archaeopteryx), Flugsauriern und Dinosauriern.
Offenbar wurden sie von manchen Flugsaurierarten gejagt und gefressen. Im
Fundgut gibt es mitunter Libellenflügel mit Bissspuren von Flugsauriern.
Fossile Libellen aus dem Solnhofener Plattenkalk sind seltene und bei Sammlern
begehrte Objekte. Ein Steinbrucharbeiter, der jeden Arbeitstag etwa 8 Stunden
lang Solnhofener Platten spaltet, entdeckt etwa alle 2 bis 3 Jahre eine Libelle.
Prächtige fossile Libellen aus Solnhofen und Eichstätt werden zeitweise in den
Online-Shops www.antiquitaeten-shop.net und www.urzeit-shop.com des
international tätigen Fossilienhändlers Ernst Probst aus dem Wiesbadener
Stadtteil Mainz-Kostheim angeboten. Er verkauft mitunter auch Wasserwanzen,
Wasserskorpione, Wasserläufer, Käfer, Grillen und Heuschrecken aus dem
Solnhofener Plattenkalk.
Heute existieren in Deutschland rund 80 Arten von Libellen. Die größte unter
ihnen ist die Große Königslibelle Anax imperator (Herr und Herrscher) mit einer
Flügelspannweite von maximal 11 Zentimeter.
Libellen sind wahre Flugkünstler: Sie fliegen rückwärts, bewegen sich in der
Horizontale wie ein Hubschrauber, stoppen und wenden während größter
Geschwindigkeit. Ihre durchsichtigen und knittrigen Flügel werden von extrem
starken Muskeln in der Brust angetrieben. Große Libellenarten erreichen eine
Geschwindigkeit von 40 und mehr Stundenkilometern.
Der Kopf der Libellen ist ungewöhnlich beweglich, was ihnen ein großes Sehfeld
erlaubt. Die Augen der Libellen bedecken fast ihren ganzen Kopf. Je nach Art
bestehen sie aus bis zu 28000 Facetten.
Seit der späten Jurazeit vor rund 150 Millionen Jahren – der Lebenszeit der
fossilen Libellen aus der Gegend von Solnhofen und Eichstätt – haben sich die
Libellen anatomisch kaum verändert. Deswegen werden sie als „Volltreffer der
Evolution“ bezeichnet.
Libellen gelten als perfekte Jäger. Während ihres rasanten Fluges ergreifen sie
ihre Beute und fressen sie noch in der Luft. Sie verzehren vor allem
Schmetterlinge, aber auch Fliegen, Mücken und sogar Artgenossen. Ihre im Wasser
lebenden Larven jagen anfangs Mückenlarven, später – nach mehrfacher Häutung und
wenn sie bereits 5 Zentimeter lang sind – sogar Kaulquappen und kleine Fische.
Die mit Dornen bewehrten kurzen Beine der Libellen eignen sich nicht zum Laufen.
Damit ergreift das Männchen während der Paarungszeit das Weibchen. Das Männchen
fliegt von unten heran und umklammert die Partnerin – danach steuern beide einen
Schilfhalm oder einen Zweig an und das Männchen überträgt seinen Samen. Das
Weibchen sucht nach Wasserpflanzen für die Eiablage und das Männchen hält nach
dem nächsten Weibchen Ausschau.
Libellen beherrschen jeweils einige Dutzend Quadratmeter große Reviere über
Gewässern, die sie unermüdlich auf und ab fliegen. Wenn einem Männchen ein
männlicher Artgenosse zu nahe kommt, attackiert er diesen und verjagt ihn.
Quelle:
openPR